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E-RENNRAD: TOP ODER FLOP?

Zur EUROBIKE 2018 war es eines der heißesten Themen: das E-Rennrad. Doch die elektrifizierten Räder mit Rennlenker sorgen auch für heiße Diskussionen. Handelt es sich um ein heißes Zukunftsthema oder ist alles nur heiße Luft?

„Ein E-Rennrad – wer braucht denn so etwas?“ Diese Frage, verbunden mit verständnislosem Kopfschütteln, hat sicherlich jeder Fahrradfan schon einmal gehört oder auch selbst gestellt. Während sich das E-Mountainbike trotz anfänglichem Widerstand mittlerweile etabliert hat, gelten E-Rennräder als die absoluten Exoten. Große Verkaufszahlen? Fehlanzeige. Das bestätigt Matthias Grick von KTM Bikes: „Das E-Rennrad ist sehr spannend, aber wir sind im letzten Jahr eher verhalten gestartet und werden auch im nächsten Jahr wieder vorsichtig sein.“ Das Thema müsse sich erst einmal in den Köpfen der Radfahrer festigen. „Das liegt aber nicht am Produkt. Die Aufmerksamkeit ist da. Die Händler fragen vermehrt nach Testrädern“, stellt Grick klar.

Aber woran hakt es dann? Ein paar Gründe: Fast alle aktuellen Modelle waren für den Premiumbereich konzipiert. Zur neuen Saison kommen jedoch vermehrt günstigere Modelle auf den Markt. Das führt zwangsläufig zu einer wachsenden Nachfrage. Zudem ist die Zielgruppe durch den generell schwächelnden Rennradmarkt recht klein. „Die Rennradszene wird sich aber mittel- bis langfristig verändern. Es kommen junge Fahrer, die keinen Widerstand gegen die Elektromobilität haben und einfach Spaß haben wollen“, ist Felix Kuffner, Marketingchef beim Antriebshersteller Fazua, überzeugt. Ein weiterer Schritt wird dabei der stark wachsende Gravel-Bereich sein: Die Nachfragen und Entwicklungen zeigen, dass das Rennrad seine Zukunft auch abseits des Asphalts hat – was elektrifizierte Flitzer erfahrungsgemäß unterstützen dürften. „Damit wird der Anwendungsbereich des Rennrades deutlich erweitert und ein großes Potenzial genutzt“, ist der Bad Homburger Fachhändler Christian Denfeld positiv gestimmt. Seine Prognose deshalb: „Der Markt für E-Rennräder wird in den nächsten Jahren wachsen. Zwar nicht so stark wie andere Segmente, aber bis zu 30 Prozent Wachstum sind möglich. Darauf stellen wir uns ein.“

Ein Wegbereiter des E-Rennrads ist der bereits erwähnte Antriebshersteller Fazua. Eigentlich wollten die Oberbayern einen leichten Motor für E-MTBs auf den Markt bringen, aber nachdem im Juli 2017 das erste Rennrad mit dem kleinen Elektroantrieb vorgestellt wurde, nahm das Thema rasant Fahrt auf. „Mittlerweile decken wir grob geschätzt 80 Prozent des Marktes ab“, sagt Kuffner. Als Zielgruppe rücken vor allem Radsportler in den Fokus, die aufgrund von Alter oder Trainingsmangel nicht (mehr) mit ihren Partnern oder Trainingsgruppen am Berg mithalten können. „Für die Produktentwicklung beim E-Rennrad ist es wichtig, die gleichen Werte zu vertreten wie beim normalen Rennrad: Das Rad soll schön und leicht sein und sich gut fahren“, erklärt Kuffner. Im Ergebnis steht ein Antriebssystem, das nicht durch enorme Power glänzt, sondern ein natürliches Fahrgefühl verspricht und über einen leichten, abnehmbaren Motor verfügt. „So hat man mit nur wenigen Handgriffen ein normales Rennrad“, beschreibt Kuffner einen weiteren Vorteil.

„In Zukunft ist beim E-Rennrad alles möglich. Es kann zum reinen Rennrad, Gravel-Bike oder sogar zum leichten Stadtfahrrad werden“, sagt Roman Högerle von Centurion. Der Hersteller bringt aktuell seine ersten E-Rennräder auf dem Markt. „Wie die Räder angenommen werden, steht noch in den Sternen. Wir sind aber von der Zukunftsfähigkeit überzeugt“, so der Firmensprecher. „In zwei Jahren werden wir über die Fragen von heute nicht mehr diskutieren“, stimmt Matthias Grick zu. Ähnlich wie das E-MTB werde dann das E-Rennrad akzeptiert und am Markt gefestigt sein.

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