MOBILITÄT AUF EINE NEUE STUFE HEBEN

Online-Banking oder -Shopping ist mittlerweile so gängig wie Mittagessen. Die Digitalisierung im Alltag schreitet stetig voran. Die digitale Mobilität steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Das könnte sich bald ändern, wie der letztjährige BIKE BIZ REVOLUTION während der EUROBIKE zeigte.

Parkplatzmangel und hohes Verkehrsaufkommen machen das eigene Auto in Großstädten vom Statussymbol zum kostspieligen Luxusgut. Sharing-Angebote erfuhren vor der Corona-Phase einen starken Zulauf und Mobilitäts-Apps wie Blablacar verzeichneten stetig wachsende Nutzerzahlen. Thomas Sauter-Serveas von der University of Applied Sciences in Zürich ist sich deshalb sicher: „Das Auto wird zum Anhängsel des Smartphones.“

Das Auto wird zum Anhängsel des Smartphones

Für ihn spielt sich Mobilität mehr und mehr digital ab – und zwar in Mobilitätsbörsen. Als Beispiel nennt er die Plattform „Reach Now“, die von Daimler und der BMW Group initiiert wird. Die beiden Automobilhersteller bündeln dabei ihre Kräfte, um an der Vision einer „neuen Fortbewegung für alle“ zu arbeiten.

Der Kunde kann aussuchen, was er gerade braucht, um schnell von A nach B zu kommen. Egal, ob ÖPNV-Ticket, Leihauto, E-Scooter oder Parkplatzsuche – man soll in Zukunft weltweit den passenden Dienst finden. Bezahlt wird direkt über die App. Die Idee, alles aus einer Hand zu bekommen, ist für Sauter-Serveas enorm wichtig, um den Erfolg des Systems zu sichern. Bevor man sich durch unterschiedliche Apps einzelner Mobilitätsanbieter arbeitet, bekommt man alles auf einer Plattform. Der Wissenschaftler spricht deshalb in Anlehnung an den weltweit erfolgreichen Musikstreamingdienst Spotify von der „Spotifizierung des Verkehrs“. Man sucht sich das aus, was man gerade braucht – und wird dadurch deutlich effizienter in der Nutzung seiner Verkehrsmittel. Die Folge: Es kommen neue Mobilitätsanbieter auf den Markt. Google, Apple oder Facebook haben die Daten über den Kunden, um die passenden Möglichkeiten schnell bereitzustellen. „Uber weiß heute schon mehr über das Verkehrsverhalten als Minister Scheuer“, sagt Peter Post von der Agentur Scholz & Volkmer. Autos werden deshalb in Zukunft nicht mehr aussehen wie heute und auch Fahrräder könnten sich verändern. „Es wird kein Produkt mehr verkauft, sondern ein Sitzplatz in einem Fortbewegungsmittel“, fasst Sauter-Serveas zusammen.

Wie diese Idee in Zukunft auch den Fahrradbereich beeinflussen kann, zeigt das Beispiel Swapfiets (eine Wortkreation aus dem englischen Wort für tauschen und dem niederländischen Wort für Fahrrad) aus den Niederlanden. Vor zweieinhalb Jahren startete das Unternehmen mit einem Abo-Verleihsystem für Fahrräder. Mittlerweile soll Swapfiets über 100.000 Kunden zählen. In mehr als 20 deutschen Städten sind die Räder mit dem auffälligen blauen Vorderrad unterwegs – Tendenz weiter steigend. „Wir verkaufen keine Räder, wir verkaufen Service“, verrät Mitgründer Martijn Obers. Dem Kunden Mobilität ermöglichen sei entscheidend. Im Falle eines Defekts verspricht der Radverleiher z. B. binnen 24 Stunden für ein Ersatzrad zu sorgen. Essentiell sind deshalb IT-Daten, die das Nutzerprofil des Abonnenten verdeutlichen. Erst wenn man den Kunden an der eigenen Haustür abholt, kann man ihm den individuellen Service bieten.

Wir verkaufen keine Räder, wir verkaufen Service

Ausblick BIKE BIZ REVOLUTION 2020

Auch in diesem Jahr treffen sich Experten und Branchenvertreter zum intensiven Austausch beim BIKE BIZ REVOLUTION, um die Zukunft des Fahrrads zu diskutieren und visionäre Ideen auszutauschen. Allerdings findet die Veranstaltung am 1. September komplett digital statt.

Die Themen:

Mobilität 2025: Wie wird sich das Mobilitätsverhalten ändern und welche Rolle spielt das Fahrrad?
Grüner Rückenwind für das Rad: Wie kann die Branche vom „grünen Image“ profitieren und wo liegen Stolpersteine?
BIKE BIZ 2025: Wie werden sich Handel und Vertriebswege in den nächsten Jahren verändern?