BRANCHENTREFFPUNKT CARGOBIKE IN DER DIGITALEN VERSION - DIE TRENDS

Ursprünglich waren vier Diskussions-Panels für den Branchentreffpunkt Cargo Area auf der EUROBIKE 2020 vorgesehen. Da die Messe aus bekannten Gründen ausfiel, luden cargobike.jetzt und CityChangerCargobike Ende November stattdessen zur ersten digitalen Cargobike Academy, die mehr als 150 Teilnehmer:innen mitverfolgten. Auf der Agenda standen unter anderem die Themen „Cargobike-Sharing“ und „Cargobike plus Passagier“.

Mehr als 100 Sharing-Angebote für Lastenräder gibt es derzeit in Deutschland, etwa 70 in der Schweiz und sechs in Österreich, Tendenz steigend – so wie auch das generelle Interesse an Cargobikes. „Für 2020 haben wir für unsere Räder eine signifikante Erhöhung der Mietdauer festgestellt“, berichtet Mirjam Stawicki von carvelo2go in der Schweiz. Vor allem für Einkäufe und Kindertransport würden Radfahrende eines der 330 Carvelos im Land leihen.

40 Prozent der Nutzer gaben an, dass sie mit dem Lastenrad Wege zurücklegten, für die sie sonst das Auto genommen hätten.

„Schon nach drei Jahren im Betrieb haben die Nutzer- und Nutzungszahlen alle Erwartungen übertroffen.“

Ähnliche Zahlen legt auch Judith Wehr vom Modellprojekt Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen (Tink) in Deutschland vor. Die Mieter, die in Konstanz und Norderstedt auf insgesamt 26 Räder zurückgreifen können, hätten fast die Hälfte aller geradelten Strecken sonst mit dem Auto zurückgelegt. Auch die anderen Zahlen sprechen für sich. „Schon nach drei Jahren im Betrieb haben die Nutzer- und Nutzungszahlen alle Erwartungen übertroffen“, sagt Wehr. Beide Städte setzen das Projekt, das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wurde, aus eigenen Mitteln fort. In weiteren Städten baut Tink ein Netzwerk an Transport-Mietsystemen auf und betreut und berät die Verkehrsbetriebe bzw. Kommunen. „Offene Fragen, mit denen wir uns derzeit beschäftigen, sind zum Beispiel die Entwicklung von Open-Source-Buchungsplattformen und Vandalismusprävention“, so Wehr.

Tobias Lochen bietet mit seinem Start-Up-Unternehmen sigo ein vollautomatisiertes E-Cargo-Verleihsystem in elf Städten in Deutschland an. „Vandalismusprävention“ bedeutet für den Gründer aus Darmstadt, dass die Räder als auch die automatischen Ladestationen besonders robust sind. Die Komponenten am Rad sind deshalb aufs Nötigste reduziert. Vor allem auch, weil Lochen es den Kunden „super einfach“ machen und „Fahrspaß“ vermitteln will. Für ihn zudem besonders interessant: „Die Leute fahren mit dem Fahrrad zu unseren Stationen, um dann ein E-Cargobike auszuleihen. Das sollte man beim Aufbau weiterer Stationen berücksichtigen.“

„Es gibt viel Potenzial nach oben im Bereich Cargobike.“

Im Panel „Passagier und Cargo“ ging es mit dem vierrädrigen Pedelec „Bio-Hybrid“, das Bio-Hybrid-Vertriebsleiter Jochen Elster vorstellte, ebenfalls um Fahrspaß und ein völlig neues Fahrgefühl. „Man erlebt das Fahren noch einmal ganz anders“, so Elster, der sich wie alle Menschen in der Branche über die neu geltende Rechtssicherheit beim Personentransport freut. Die StVZO-Novelle erlaubt seit April 2020 die Mitnahme von Personen über sechs Jahren, wenn das Fahrrad entsprechend gebaut und eingerichtet ist. Das Bio-Hybrid, das wie ein großes Kettcar oder ein kleines Auto aussieht, richtet sich je nach Ausstattung zum Beispiel an Food-Delivery-Dienste, Pendler und alle, die Mobilität neu erfahren wollen.

 

Fahrspaß, Platz, keine Parkplatzsorgen – all das soll auch das vierrädrige Cargobike Noca bieten, dessen Prototyp Christoph Neye vom Motion Lab Berlin vorstellte. „Wir haben das Prinzip SUV auf das Fahrrad übertragen“, erklärt Neye. „Nicht als die eine Mobilitätslösung, sondern als weitere Option.“ Sein Fazit: „Die Technik und Ressourcen sind da. Es gibt viel Potenzial nach oben im Bereich Cargobike.“