DOMINIK LINSER: IM AUFTRAG DES TRAILS

Seit Mitte Juni sind die Strecken der Bike Republic Sölden wieder für die Mountainbiker geöffnet. Damit viele Mountainbiker jetzt Spaß haben, braucht es viel Arbeit im Hintergrund, wie das Beispiel von Dominik Linser, Projektleiter der Bike Republic, zeigt.

Die Zahl der Mountainbiker in der Bike Republic Sölden ist seit deren Gründung 2014 quasi explodiert. Geschätzt 170.000 Fahrten wurden allein im letzten Sommer unternommen, auf stark frequentierte Trails fährt ca. alle drei Minuten ein Mountainbiker. Das Gebiet ist kein klassischer Bike-Park, sondern eher vergleichbar mit einem Skigebiet. Ein „Pistennetz“ mit aktuell ca. 80 Kilometern Streckenlänge, im Endausbau sollen es rund 100 Kilometer werden. „Wir zählen mittlerweile zu den meistfrequentierten Bike-Gebieten in Europa. Und das nach nur so kurzer Zeit“, resümiert Dominik Linser. Er verantwortet das Projekt beim Ötztal Tourismus und arbeitet, damit andere Spaß haben. Damit das große Wegenetz überhaupt entstehen konnte, war erstmal Klinkenputzen angesagt. Linser hat in den letzten fünf Jahren rund 400 Verträge mit Bauern und Grundbesitzern für das Befahren von Grundstücken ausgehandelt. Dabei stieß er anfänglich auf großen Widerstand: „Es gibt leidenschaftliche Landwirte, die den Berg im Sommer für ihre Tiere beanspruchen. Ihre Sorgen müssen wir ernst nehmen, wenn wir sie vom Projekt überzeugt wollen.“ Dabei setzt der Projektleiter auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Lösungsansätze. So werden beispielsweise junge Köche im Ötztal ausgebildet, gezielt regionale Lebensmittel zu verwenden. „Die Landwirte finden so einen Abnehmer für ihre Produkte und erzielen durch den wachsenden Tourismus zusätzliche Einnahmen“, begründet Linser den Schritt. Mittlerweile wollen einige Landwirte sogar lieber eine Mountainbike-Strecke auf ihrem Gebiet als einen Wanderweg. „Mountainbiker haben in der Regel keinen Hund dabei“, schmunzelt er. Denn es komme immer häufiger zu Konflikten zwischen Hunden und Weidetieren, insbesondere wenn diese Nachwuchs haben und sich durch Hunde bedroht fühlen.

Neben dem Skitourismus im Winter sind seither im Sommer Wanderer eine wichtige Zielgruppe. Aber: „Wanderer fahren meist in Regionen, wo auch etwas geboten ist. Jeder Ort im Ötztal bekam deshalb noch eine zweite Zielgruppe zugesprochen. Für Sölden waren das die Mountainbiker“, berichtet Linser. Die Infrastruktur mit Liften, Hotels und insbesondere Bergen war bereits vorhanden, der einzige fehlenden Faktor war ein interessanter Streckenbau – und da musste Linser ran: „Unsere Intention: Eine Mountainbike-Region, die für jeden Fahrer vom Einsteiger bis zum Profi etwas zu bieten hat.“ Die meisten Mountainbike-Regionen hätten ein Gefälle von rund 20 Prozent. Das sei aber für Durchschnittsfahrer oder Anfänger zu steil. „Dadurch, dass wir erst so spät angefangen haben, konnten wir aus den Fehlern anderer lernen. Wir haben deshalb das Durchschnittsgefälle unserer Strecken halbiert. Das führte zwar zu höheren Baukosten, aber langfristig haben wir weniger Erhaltungskosten, da der Boden geringer durch ständiges Bremsen beschädigt wird, obwohl mehr Leute darauf fahren“, erklärt Linser. Hinzu kommt ein auf Nachhaltigkeit ausgelegter Bau mit viel Handarbeit und möglichst geringem Maschineneinsatz. Dabei spielen wiederum die Erfahrungen der Bauern über die Beschaffenheit des Bodens eine Rolle. Ohne deren Beratung wäre das Trail-Bauen um einiges schwerer und auch kostspieliger. „Keiner weiß besser als die Bauern, wo feuchte Stellen sind oder der Boden von Erosion betroffen ist. Dieses Wissen muss man einbinden, nicht verschenken“, gibt Linser als Tipp für andere Regionen mit.

Konflikte mit Wanderern, wie sie aus anderen Alpenregionen immer wieder berichtet werden, werden in der Bike Republic möglichst im Keim erstickt. An stark frequentierten Stellen rund um Liftanlagen wird auf Wegetrennung geachtet, damit beide Gruppen Erholung und Spaß finden – gerade jetzt beim Re-Start nach Corona besonders wichtig. Das Konzept hat sich mittlerweile bewährt. Vertreter anderer Alpenregionen kommen nach Sölden, um sich Infos zum Mountainbike-Projekt zu holen. Linser empfindet das nicht als Konkurrenz. Mehr als eine Möglichkeit, den Mountainbike-Sport weiter voranzubringen – und zwar im Einklang mit der Natur.

Biken in Zeiten von Corona

Das Corona-Virus ist auch ein Thema in der Bike Republic. Deshalb gibt es für die aktuelle Saison spezielle Sicherheitsmaßnahmen zu beachten. Dazu zählen u. a. die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln, das Vermeiden von Gruppenbildung und das Tragen eines Mund-Nasenschutzes in Öffentlichen Bereichen und während der Gondelfahrt. Das hat allerdings keine Auswirkungen auf dem Spaß auf den Trails.